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Ratgeber

Enger Stopp, teurer Stopp: was 4.893 Trades über den Stop-Loss zeigen

Stand: 19. September 2026

Die übliche Faustregel lautet: Der Stopp gehört enger als das Gewinnziel. Wer 7 % gewinnen will und bei 4 % aussteigt, gewinnt im Schnitt mehr, als er verliert. Das klingt zwingend. Ich habe es nachgerechnet, und es stimmt so nicht.

Was gerechnet wurde

4.893 Käufe von US-Aktien zwischen September 2022 und August 2026. Alle nach demselben Muster ausgewählt: Die letzten Quartalszahlen lagen mindestens 10 % über der Erwartung, der Kurs stand im unteren Drittel seiner Spanne der vergangenen zwölf Monate, und er war in den fünf Tagen davor um mindestens 5 % gefallen. Gekauft wird zur Eröffnung des nächsten Tages, verkauft am Gewinnziel, am Stopp oder spätestens nach 20 Handelstagen.

Gewinnziel und Stopp sind nicht in festen Prozent gesetzt, sondern in Vielfachen der üblichen Tagesschwankung der jeweiligen Aktie — dem mittleren Abstand zwischen Tageshoch und Tagestief der letzten 20 Tage. Bei diesen Aktien lag sie im Mittel bei 4 %. Das Gewinnziel steht immer beim Dreifachen, also bei rund 12 %. Verändert wird nur der Stopp.

Gerechnet ist vorsichtig: Fallen Ziel und Stopp am selben Tag, zählt der Stopp. Eröffnet ein Tag unter dem Stopp, gilt der schlechtere Eröffnungskurs. Je Trade gehen 0,2 % Kosten ab.

Das Ergebnis

Stopp entspricht etwa Stopp ausgelöst Ziel erreicht Ertrag je Trade
1× Tagesschwankung −4 % 69 % 25 % +0,21 %
1,5× −6 % 56 % 31 % +0,32 %
−8 % 45 % 34 % +0,62 %
−12 % 26 % 37 % +0,92 %
−16 % 14 % 38 % +1,15 %
−24 % 4 % 38 % +1,30 %
kein Stopp 38 % +1,34 %

Jede Zeile nach unten ist besser als die darüber. Der engste Stopp wird in zwei von drei Fällen ausgelöst und lässt vom Ertrag am wenigsten übrig.

Warum das so ist

Eine Aktie, die am Tag üblicherweise um 4 % schwankt, erreicht −4 % an einem ganz normalen Tag. Ein Stopp in diesem Abstand misst nicht, ob die Idee falsch war. Er misst, ob die Aktie sich bewegt hat. Bei dieser Auswahl kommt hinzu: Sie setzt auf eine Erholung nach einem Rückgang, und Erholungen verlaufen selten geradeaus. Der enge Stopp verkauft in der Delle, aus der die Aktie danach herausläuft.

Bei den unruhigsten Aktien ist der Effekt am größten. Im Drittel mit der höchsten Tagesschwankung brachte der Stopp beim 1,5-Fachen +0,17 % je Trade, beim 4-Fachen +1,45 %.

Die Rechnung hinter der Faustregel stimmt also nur zur Hälfte: Ein enger Stopp macht den einzelnen Verlust klein. Er macht aber auch aus Trades, die gewonnen hätten, Verluste — und das wiegt schwerer.

Was ein weiter Stopp kostet

Er begrenzt den Verlust später. Die schlechtesten 5 % der Trades endeten mit Stopp beim 1,5-Fachen bei −11 % oder schlechter, beim 4-Fachen bei −19 %. Kurslücken über Nacht springen über jeden Stopp hinweg, deshalb liegen beide Werte unter dem Stopp selbst.

Wer weiter stoppt, muss deshalb kleiner kaufen. Das Risiko eines Trades ist Positionsgröße mal Abstand zum Stopp. Ein Stopp bei −16 % mit halber Position riskiert denselben Betrag wie einer bei −8 % mit ganzer. Der Stopp ist dann kein Werkzeug mehr, um Verluste klein zu halten, sondern ein Schutz vor dem Absturz.

Was die Zahlen nicht sagen

Wie das in rulio steckt

rulio schlägt bei Kaufkandidaten Gewinnziel und Stopp aus der Tagesschwankung der Aktie vor statt in festen Prozent: das Dreifache nach oben, das Vierfache nach unten. Beides lässt sich im Order-Ticket ändern.

Quellen

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