Was kostet ein kurzer Aktien-Trade? Vier Wege im Vergleich
Wer eine Aktie für ein paar Tage kauft und mit einigen Prozent Gewinn wieder verkauft, zahlt zweimal: beim Kauf und beim Verkauf. Bei kleinen Beträgen entscheiden diese Kosten, ob vom Gewinn etwas bleibt. Ich habe das für vier Wege durchgerechnet.
Vorweg, damit die Interessenlage klar ist: Ich betreibe rulio. rulio ist kein Broker, sondern ein Werkzeug, das Regeln bei einem Broker ausführt — derzeit bei Alpaca. Alpaca steht deshalb im Vergleich, und rulio wird mit seinen eigenen Kosten mitgerechnet.
Die Rechnung
Eine US-Aktie kaufen, zehn Tage halten, verkaufen. Konto in Euro. Einmal mit 300 €, einmal mit 3.000 €. Gezählt wird alles, was zwischen Einsatz und Erlös verloren geht: Ordergebühr, Währungsaufschlag, Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs, Haltekosten.
| Weg | 300 € | 3.000 € |
|---|---|---|
| Alpaca (mit rulio) | unter 0,05 € | etwa 0,10 € |
| Trading 212, Invest-Konto | etwa 0,90 € | etwa 9 € |
| Interactive Brokers, US-Börse | etwa 0,60–1,75 € | etwa 1,75 € |
| Interactive Brokers, Xetra in Euro | 2,50–6 € | 3–6 € |
| Capital.com (CFD, gehebelt) | etwa 1–2 € | etwa 9–17 € |
Das ist der einzelne Trade. Zwei Posten stehen nicht in der Tabelle und gehören trotzdem zur Rechnung: der Weg des Geldes zum Broker und zurück, und bei rulio der eigene Tarif. Beides weiter unten.
Woher die Unterschiede kommen
Alpaca nimmt für US-Aktien keine Ordergebühr. Beim Verkauf fallen winzige Pflichtabgaben der US-Aufsicht an, Cent-Beträge. Das Konto läuft in Dollar: Getauscht wird einmal bei der Einzahlung, nicht bei jedem Trade — dafür ist genau dieser Schritt teuer, siehe „Geld rein und raus".
Trading 212 nimmt im Invest-Konto ebenfalls keine Ordergebühr, schlägt aber bei jedem Kauf und jedem Verkauf einer Aktie in fremder Währung 0,15 % auf den Wechselkurs. Hin und zurück sind das 0,3 % des Betrags — bei 300 € wenig, bei 3.000 € mehr als bei Interactive Brokers.
Interactive Brokers rechnet andersherum: eine Mindestgebühr je Order, dafür fast nichts Prozentuales. An US-Börsen etwa 1 Dollar je Order im festen, ab 0,35 Dollar im gestaffelten Preismodell; auf Xetra 0,05 % des Orderwerts, aber mindestens 1,25 € (gestaffelt) oder 3 € (fest). Bei 300 € ist das spürbar, bei 3.000 € gehört es zum Günstigsten. Wer ein Euro-Konto führt, tauscht für US-Aktien einmal in Dollar; das kostet etwa 2 Dollar.
Capital.com ist ein anderes Produkt. Gehandelt werden dort CFDs — Verträge auf den Kurs einer Aktie, nicht die Aktie selbst. Eine Ordergebühr gibt es nicht; die Kosten stecken an drei Stellen, alle vom Anbieter selbst ausgewiesen: in der Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs, in den Haltekosten je Nacht (0,022 % des Positionswerts, in zehn Nächten also gut 0,2 %) und im Währungsaufschlag von 0,4 %, wenn das Konto in Euro läuft. Die Spanne hängt am Titel: bei Apple 0,30 $ je Aktie, bei einem Kurs um 336 $ sind das knapp 0,1 %; bei Zillow 0,10 $ bei einem Kurs um 30 $, also gut 0,3 %. Daher die Spannbreite in der Tabelle. Der Anbieter weist selbst darauf hin, dass 74–89 % der Privatkunden mit CFDs Geld verlieren.
Geld rein und raus
Der günstigste Trade nützt wenig, wenn das Geld teuer zum Broker kommt. Für ein Konto, das aus Deutschland in Euro gefüllt wird:
| Weg | Einzahlung | Auszahlung |
|---|---|---|
| Alpaca | 1,5 % beim Tausch in Dollar (höchstens 40 $) | 50 $ je Auslandsüberweisung, oder 1,5 % (höchstens 40 $) beim Rücktausch |
| Alpaca über ein Dollar-Konto bei einem Zahlungsdienst | etwa 0,4–0,6 % Tausch, dazu rund 30 € je Überweisung | 25 $ und etwa 25 € |
| Interactive Brokers | SEPA, kostenlos; Tausch in Dollar etwa 2 $ | SEPA, eine Auszahlung im Monat kostenlos |
| Trading 212 | Überweisung kostenlos; getauscht wird je Trade (siehe oben) | kostenlos |
| Capital.com | kostenlos | kostenlos |
Für 300 € heißt das bei Alpaca: 4,50 € beim Einzahlen und 50 $, sobald das Geld zurück soll — mehr als jede Ordergebühr in der Tabelle oben. Alpaca ist der günstigste Weg für viele Trades mit Geld, das dort bleibt; für einen kleinen Betrag, der nur kurz ausprobiert wird, ist es der teuerste.
Was das für kleine Beträge heißt
Bei 300 € und 7 % Gewinn bleiben 21 € vor Kosten. Davon gehen je Trade ab: unter 0,05 € bei Alpaca, 0,90 € bei Trading 212, bis zu 6 € bei Interactive Brokers auf Xetra im festen Preismodell. Der Weg entscheidet hier über bis zu ein Viertel des Gewinns — und wer das Geld erst über den Atlantik schicken muss, hat den Gewinn mehrerer Trades schon beim Einzahlen ausgegeben.
Bei 3.000 € dreht sich das Bild: Die Mindestgebühr fällt nicht mehr ins Gewicht, der prozentuale Aufschlag schon.
Und rulio selbst?
rulio ist in der Grundstufe kostenlos (drei aktive Regeln). Plus kostet 19 € im Monat. Für ein Depot von 300 € wäre das mehr als jeder Broker-Unterschied in dieser Tabelle — Plus rechnet sich erst, wenn die Automatisierung mehr wert ist als der Beitrag. Das gehört in einen ehrlichen Vergleich.
Annahmen und Grenzen
- Preise Stand 19.09.2026, so wie die Anbieter sie selbst veröffentlichen (Preisverzeichnis, Gebührenseite, Angaben zum einzelnen Titel). Nachgemessen ist nichts.
- US-Aktie mit enger Handelsspanne; bei kleinen, selten gehandelten Titeln ist die Spanne bei allen Wegen größer.
- Steuern sind nicht enthalten.
- Keine Anlageberatung. Der Vergleich sagt, was ein Trade kostet — nicht, ob er sich lohnt.
Quellen
- Trading 212: Gebühren im Invest-Konto
- Capital.com: Gebühren und Entgelte (EU)
- Capital.com: Angaben zum Titel Apple — Spanne und Haltekosten
- Capital.com: Angaben zum Titel Zillow
- Alpaca: Was kostet eine Auszahlung?
- Alpaca: Brokerage Fee Schedule (PDF)
- Interactive Brokers: Provisionen Aktien Europa
- Interactive Brokers: Entgelte Xetra

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